Tod den Pferdewagen
 
Dieses Straßenbild soll bald der Vergangenheit angehören Ein liebgewonnenes Phänomen auf rumänischen Straßen ist ernsthaft bedroht. Nach und nach erlassen die örtlichen Verwaltungen Verfügungen, die die Pferdewagen aus dem Straßenbild verbannen sollen. Constantin Stroescu, PR-Offizier der Bukarester Verkehrspolizei beklagt: "In unserer Stadt wurden 2.300 Verwarnungen ausgesprochen, jedoch ohne Ergebnis." Dazu ein Pferdewagenbesitzer: "Was sollen wir machen? Verhungern? Die Strafen bezahlen wir, und unsere Ausgaben kriegen wir schon irgendwie wieder rein." Jetzt werden die Wagen in monatlich stattfindenden Razzien aufgebracht und konfisziert. Doch selbst das bringt die Betroffenen nicht aus der Ruhe. Manche kaufen sich einen neuen Pferdewagen, andere einen... ARO. Na also: Wirtschaftsförderung par Excellence.
27.11.2003 - Preis: 0,50 €

SiBild

Nr. 16 - Abonnenten: 488
Fünf Liter Zuika
Eine Reihe von Sibi-Devotionalien bietet das neue Shop-Portal von www.SiebenbuergeR.de. Neben den Bestsellern von Herta Müller und Eginald Schlattner gibt es hier auch "Fünf Liter Zuika" in Buchform von Paul Schuster. Hochglanzfotos zum Herzerwärmen kann man in den Bildbänden von Martin Rill bestaunen. Wer von Joanne K. Rowling die Schnauze voll hat, sollte es zur Abwechslung mal mit Karin Gündisch versuchen. Und für die Ohren gibt es altbekannte Mundart-Lieder. Zum vollkommenen Sachsenglück fehlt eigentlich nur noch der Speck.
Der Hoeneß von Rumänien Der Hoeneß von Rumänien
Eine bemerkenswerte Kariere vom Schafhirten zum Patron des erfolgreichsten rumänischen Fußballvereins machte Gigi Becali. Vorlaut, wie es sich für einen Manager seines Kalibers gehört, beschuldigte er jetzt den rumänischen Nationaltrainer Anghel Iordanescu, die Spieler nur gegen Bestechung in die Nationalelf zu berufen. Viel Ahnung von rumänischer Fußballgeschichte hat Becali indes selber nicht. In einem TV-Interview wurde er gefragt, wer die beiden Torschützen waren, die Steaua Bukarest 1986 den Europapokal der Landesmeister beschert haben. Da kam der geschäftstüchtige Mann ins Stottern. Das Marius Lacatus und Gavrila Balint die entscheidenden Elfmeter verwandelten, wußte er nicht. Zu der Zeit als der Verein, der jetzt unter seinem Patronat steht, den Europapokal der Landesmeister gewann, war Becali mit seinen Schafen auf der Weide.
Neue Sportart:
Bärenschleppen

Mann, ist der schwer! Das die Bären in Siebenbürgen bis in die Stadt eindringen, ist nichts Neues. Dank dem innigen Verhältnis zwischen Mensch und Bär ist jetzt eine neue Sportart entstanden. Dabei wird der Bär Huckepack genommen, und geschleppt soweit die Füße tragen. Die Teilnehmer des ersten Wettbewerbes sind absolut begeistert. Der Rat des Gewinners: "Lassen auch Sie sich einen Bären aufbinden, das gibt Ihnen den ultimativen Kick."
Büffel für
Deutschland

Nach den Sachsen steht Deutschland jetzt eine zweite Invasion aus Siebenbürgen bevor. Auf bundesdeutsche Initiative wurden jetzt Wasserbüffel eingeführt. Erfreulich auch das Ansehen dieser genügsamen Pflanzenfresser. "Sowohl Landes- wie Bundespolitiker sehen den Nutzen des Wasserbüffels und fördern aktiv unsere Arbeit," so der Pressesprecher des "Deutschen Büffelverbandes"(DBV) . Bei diesen Vorschußlorbeeren ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Büffel ihre Abstammung nachweisen müssen, um auch in Zukunft einreisen zu dürfen.
In einer orthodoxen Kirche:
Gorbi, der Papst und der Sachsenbischof
Bush sen., Papst, Gorbi, IPS Andrei, Albert Klein

Die orthodoxen Sakralbauten in Rumänien, egal ob Kirche oder Kloster, sind vor allem wegen ihrer Gemälde berühmt und sehenswert. Sie sind einerseits Bibel für Analphabeten, andererseits stellen sie die großen Köpfe aus ihrer Bauzeit dar. Daran hat sich bis heute nichts verändert. In der neuen orhodoxen Kirche von Petersdorf bei Mühlbach, die zwischen 1987 und 2001 erbaut wurde, sind große Köpfe unserer Zeit zu sehen. Neben dem orthodoxen Erzbischof von Karlsburg wurde der ehemalige evangelische Bischof Albert Klein verewigt. Internationale Berühmtheit erreichte die Kirche allerdings mit einer Malerei, die die "Zerstörer des Kommunismus" darstellt: Auf diesem Bild finden sich George Bush sen., Papst Johannes Paul der II. und Michail Gorbatschow wieder.
Sächsisch
übersetzt
Åch meng klin Prinz, esi noch uch noch hun ech deng klin schwermëadig Liëwen verstunden.

Long Zett huëst te, am dech ze zerstroan, nest undert gehuët åls de Schienhiet des Sännenajndergungs.

Ech hun det erfuëren um Morgen des vierten Däges wä te mer sost: Ech hun den Sånnenajndergung sir garen. mehr dazu...
Zitat        
Ich persönlich bin sehr dankbar:
Erstens für meine in Rumänien verbrachte Kindheit fernab von Computerspiel und Barbiepuppe. Vielmehr mit Erfahrungen und Eindrücken, die sich manchmal nur mit der deutschen Nachkriegsgeneration vergleichen lassen. Manchmal hab ich das Gefühl, in verschiedenen Zeiten gelebt zu haben, wie mit einer Zeitmaschine!
(Polmitzken)
Stilblüte 
Hol mir den Krampen
Serie: Die guten alten Zeiten (12)
Wie ich meine Zähne verlor
von Wolfito

Ein Bild das millionenfach in Rumänien hing - der retouchierte DiktatorJedes Gymnasium im Rumänien der 70er Jahre hatte ein Büro, das nur einmal im Monat für ein paar Stunden besetzt war. Da saß dann ein dunkel gekleideter, unauffälliger Mann an einem großen auffälligen, meistens klobigen Eichenschreibtisch unter dem Bild unseres "geliebten Patrioten" und unterhielt sich mehr oder wenig höflich mit nervösen, auf ihrem ungemütlichen Stuhl sitzenden, jungen Menschen. Nervös, weil sich niemand gerne mit dem Staatssicherheitsdienst unterhielt. Die berüchtigte Securitate hatte, ähnlich einer Krake, ihre dreckigen Finger überall. Ich glaube, sogar die Bäume im Wald hatten einen Dienstgrad bei dieser unheimlichen Armee.

Auch ich durfte eines Tages in diesem Büro Platz nehmen.
"Guten Morgen Genosse Klein. Ich bin sehr erfreut Sie kennenzulernen. Ich habe schon viel von Ihnen gehört..."
"Ja?"
"Trotz ihres zarten Alters sind Sie schon viel herumgekommen in der Stadt."
"Ja, ich feiere gerne..."
"...und oft!"
"Ist das ein Verbrechen?"
"Nein, nein. Im Gegenteil, wie freuen uns, wenn unser Volk fröhlich ist und lacht. Natürlich nur, wenn jeder seine Pflicht tut und im Sinne unser Revolution handelt."
"Meinen Erwartungen als Schüler komme ich pflichtbewusst nach."
"In der Tat sagte mir ihr Direktor, der Genosse Georgescu, dass Sie gut mitarbeiten, gut lernen und die Welt verändern wollen."
"Ja. Ich möchte dass jeder Bürger dieser Welt in Frieden glücklich leben kann..."
"...und an den sozialistischen Gedanken glaubt. Das kann man aber nur, wenn man für unsere Arbeiterpartei aktiv ist."
"Dafür bin ich noch zu jung. Mal sehen, wenn ich mein Abitur in der Tasche habe."
"Das wünsch ich Ihnen von ganzen Herzen. Wir können Ihnen ein wenig unter die Arme greifen bei Ihrer Entscheidung und ich bin überzeugt, wenn ich mit dem Herren Direktor spreche, werden Sie auch eine gute Note bekommen und studieren können..."
"Oh, danke! Soweit habe ich noch gar nicht gedacht..."
"Wollen Sie auch auswandern, wie all Ihre Freunde?"
"Äh, ich weiß nicht, das entscheidet alles mein Vater."
"Ja, den kenne ich auch. Der feiert auch gerne. Wo haben Sie eigentlich die Musik her, die Sie immer auf den Partys spielen?"
"Von Freunden, Verwandten, aus dem Radio..."
"...Radio Freies Europa?"
"...wo denken Sie hin?! Das ist doch verboten!"
"Richtig. Da kommen Sie ins Gefängnis, wenn man Sie erwischt."
"Nein, nein. Den Sender habe ich noch nie gehört! Zu schlechter Empfang."
"Sie wissen, dass Sie mit Personen, die aus einem kapitalistischen Land zu Besuch sind, nur an öffentlichen Plätzen Kontakt haben dürfen, keine Valuta besitzen dürfen und diese Personen nicht beherbergen dürfen. Die Ausländer müssen ab 22 Uhr in ihrem Hotel zu finden sein. Alleine!"
"Natürlich wurde ich aufgeklärt! Kontakt?"
"Keiner Art. Sie verstehen schon."
"Natürlich!"
"Es sei denn, Sie versuchen die Person für unsere Sache zu gewinnen. Dann drücken wir ein Auge zu."
"Aber klar, unsere Ziele gehen über das Private hinaus. Nur so kann in unserem Land alles besser werden."
"Bravo! Wie Sie wissen, in den entscheidenden Augenblicken unser Geschichte sind aus den Reihen des rumänischen Volkes große Persönlichkeiten hervorgegangen, die es Jahrhundert für Jahrhundert, Generation für Generation in den für die Freiheit, Einheit, Unabhängigkeit und den Fortschritt des Vaterlandes ausgetragenen Kämpfen zum Sieg geführt haben."
"Weiß ich, Genosse Major."
"Sag Tom zu mir, mein Junge."
"Jawohl, Genosse Major."
"Im neuen, sozialistischen Zeitalter wurden durch den Willen der ganzen Nation die Geschicke des Landes dem großen und klugen Revolutionär, und Patrioten Nicolae Ceausescu anvertraut, dem gerechten Sohn der rumänischen Urvätererde, der er mit Leib und Seele ergeben ist. Er, der die lodernde Flamme des rumänischen National-Bewusstseins verkörpert, hat das ganze Volk in eherner Einheit um sich geschart, das fest entschlossen ist, seinen begeisternden Weisungen zu folgen und seinen kühnen Taten nachzustreben."
"Jawohl, Genosse Major."
"Wir kümmern uns um unsere Schäfchen und tun alles, um den Imperialismus und Monopolismus zu bekämpfen. In unserer Gesellschaft steht die Partei an erster Stelle und unser geliebter Genosse Nicolae Ceausescu setzt sich persönlich gegen die Ausbeutung der Werktätigen ein."
"Jawohl, Genosse Major."
"Wegtreten. Wir sehen uns!"

In der Tat sahen wir uns schneller als ich dachte.

Der vielseitig entwickelte Ceausescu schrieb auch über MenschenrechteIch saß auf einem ungemütlichen Stuhl, vor einem auffällig gekleideten Mann an einem großen auffälligen riesigen, klobigen Eichenschreibtisch unter dem Bild unseres Geliebten "Patrioten" und versuchte durch das grelle Licht des auf mich gerichteten Scheinwerfers Einzelheiten zu erkennen. Vergeblich. Der Scheinwerfer war zu grell, die Wände ringsherum weiß gekachelt und der Raum vollkommen leer. In einer Ecke des Raumes sah ich aus den Augenwinkeln einen Wasserschlauch und in der Mitte des Raumes das schwarze Gitter eines Abwasserkanals.

"Es ist aus. Gestehe. Wir haben dich."
"Was soll ich gestehen? Wo bin ich?"
"Wir stellen hier die Fragen! Also, gestehst du?"
"Ich habe keine Ahnung was Sie von mir wollen. Was soll ich denn gestehen?"
"Komm nicht auf die Tour. Das kennen wir alles schon. Wir können auch anderes mit dir reden! Also, schieß los?"
"Schiessen? Mit was?"
"Schau, schau, unser Abiturient stellt sich blöd."
"Na gut! Ich war es nicht."
"Was, warst du nicht?"
"Na, das was Sie hören wollen."
"Gestehe oder ich zerquetsche dir dein Kreuz. Ich glaube dir nichts."
"Ich habe ja auch nichts gestanden."
"Sag, dass du es warst!"
"Dass ich was war?"
"Meine Geduld ist gleich zu Ende. Du hast Glück, dass der Herr Major persönlich das Verhör leiten will. Bis dahin überlebst du noch, aber dann..."
"Ich will einen Anwalt..."
"Was willst du? Prügel bekommst du gleich. Ich setze dich mit deinem dicken Hintern auf den Ofen oder noch besser ich ersaufe dich wie einen räudigen Hund im Waschbecken."
"... und meinen Vater anrufen..."
"Schweig, du Sachsenschwein, oder ich schlage dir mit meinem Sandsack den Schädel ganz ein."
"Ah, deswegen tut mir alles weh, ich kann mich an nichts erinnern und ich kann nichts sehen: Sie haben mich geschlagen!"
"Scheinbar nicht genug. Die Zähne sollte ich dir einschlagen, die Zunge abschneiden und die Eier wegbrennen. Gestehe endlich!"
"Was?"
"Muss ich wieder Gewalt anwenden? Ich wollte, dass der Herr Major dich noch erkennt, wenn er dich sieht, sonst hätte ich schon längst eine Zigarette auf deiner Nase ausgedrückt."
"Mein Vater wird Sie anzeigen. Er kennt viele wichtige Leute in der Stadt. Ich werde ihm erzählen, dass Sie Gewalt angewendet haben und mich geschlagen haben."
"Junger Mann, was soll dein Vater denn machen, wenn er dich morgen tot im Fluss findet? Vom Zug überrollt oder vom Auto überfahren? Denk an den Schmerz, den deine Eltern empfinden werden."
"Na gut Genosse Unteroffizier: ich war's!"
"Du lügst!"
"Ja!"
"Nein!"
"Warum?"
"Befehl ist Befehl!"
"Aha, also ich war es."
"Wieder eine Lüge!?"
"Vielleicht?"
"Junge, mach es mir doch nicht so schwer."

Zwei schwarz gekleidete Gestalten hatten den Raum betreten. Er sprang auf und salutierte:
"Genosse Major! Genosse Leutnant! Melde gehorsamst: der Gefangene will nicht aussagen!"
"Gefangene? Ich will mit meinem Vater sprechen!"
"Na, wir wollen nicht gleich heulen..."
"Ich wurde entführt, zusammengeschlagen, werde gegen meinen Willen festgehalten, um irgendetwas zu gestehen und Sie sagen ich soll nicht heulen? Frechheit ist das..."
"Wir führen polizeiliche Ermittlungen durch und da Sie sich dagegen gesträubt haben, sind wir berechtigt in solchen Fällen Gewalt anzuwenden."
"Guten Abend, Genosse Klein."
"Herr Major? Tom! Wie gut, dass Sie hier sind. Könnten Sie mir bitte die Fesseln lösen und mich zu meinen Eltern bringen."
"Immer mit der Ruhe, ich sagte ja schon, trotz ihres jungen Alters sind Sie schon viel herumgekommen auch in der Umgebung der Stadt."
"Ist das ein Verbrechen?"
"Wie man es nimmt..."
"Ich verstehe nicht ganz, Sie haben gesagt..."
Ein fescher junger Mann und zukünftiger Diktator"Ich weiß was ich gesagt habe, gerade fröhlich und zufrieden sehen Sie nicht aus. Ich hasse Gewalt. Manchmal jedoch ist sie nötig, um unser Ziel zu erreichen. Glauben Sie mir, auch ich habe auch meine Anweisungen und Pflichten. Es ist meine oberste Pflicht, das gewaltige Werk des Aufbaus der vielseitig entwickelten sozialistischen Gesellschaft und des Voranschreitens zum Kommunismus, der unendlichen Reihe gewaltiger, heldenhafter Arbeitstaten der rumänischen Nation mit voller Kraft zu unterstützen. Der gelehrte humanistische Vordenker Nicolae Ceausescu hat durch seine Gedanken und Thesen das Erkenntnisgut des wissenschaftlichen Sozialismus und der Weltwissenschaft in glänzender Weise bereichert. Als herausragende Persönlichkeit des internationalen politischen Lebens verbindet der Generalsekretär unserer Partei seine grenzenlose Vaterlandsliebe mit selbstlosem Einsatz für den Frieden der ganzen Menschheit. Seine erlesenen politischen und organisatorischen Eigenschaften, die sich bereits in den schweren Jahren der Illegalität in den großen Schlachten gegen den Faschismus und für nationale und soziale Befreiung bewährt hatten und in der ruhmreichen Zeit des Aufbaus der neuen Gesellschaft ihre Bestätigung erfahren haben, die Grundlage des grenzenlosen Vertrauens, das die Partei und das ganze Volk dem Präsidenten des Landes entgegenbringen. Mit der großen Fähigkeit begabt, die Gebote der Zeit, die sozialen Erscheinungen und Prozesse zu verstehen, hat sich Genosse Nicolae Ceausescu in der Zwischenkriegszeit auf der politischen Arena Rumäniens in der schicksalsschweren Zeit nach 1930 in Augenblicken, die für das Land entscheidend gewesen sind, eindrucksvoll bewährt..."
"Also, dann hat ihr Schläger zu stark zugeschlagen, ich kann mich an nichts mehr erinnern."
"Da können wir gerne nachhelfen..."
"Nein, nein. Nicht schon wieder schlagen. Etwas in Ihrer Stimme sagt mir, dass es ernst wird. Es fällt mir wieder ein. Was wollten Sie denn wissen?"
"Was suchen Sie um drei Uhr Morgens in Salzburg."
"Ich war baden!"
"Um drei Uhr Morgens?"
"Na ja, wissen sie, ich war auf einem Fest und habe viel getanzt. Deshalb wollte ich mich waschen."
"Mit Salzwasser?"
"Na ja, bei uns im Viertel kommt seit Wochen kein Wasser."
"Das ist mir bekannt. Deshalb haben Sie auch zwei Flaschen Wodka getrunken?"
"...ja, immerhin schmeckt es besser als Wasser... "
"...da wären Sie ja beim baden ersoffen..."
"...im Salzwasser? Bei allem Respekt, Genosse Major, das ist unmöglich!"
"Da haben Sie ausnahmsweise Recht. Die Kollegen der Polizei sagten uns, Sie hätten sie in einem Auto angetroffen..."
"...ist das verboten?"
"...eigentlich nicht. Aber der VW hat eine holländische Nummer, stand am Ufer mit eingeschalteten Scheinwerfern und aus dem Auto drang lautes Stöhnen, das man im ganzen Kurort hören konnte..."
"...das war eine Kassette: Je taime, moi non plus von Jane Birkin & Serge Gainsburg, Sie wissen schon."
"Ja, ich weiß schon. Die sprechen Französisch. Als die Kollegen sich dem Auto näherten schrie eine Dame sehr laut auf Deutsch: Gib's mir du Sau!"
"Ach wie ordinär, das kann ich Ihnen nicht erklären..."
"...Sie waren zu beschäftigt. Sie wissen aber, die Partei verbietet es Kontakt zu einem Bürger aus einem kapitalistischen Land zu haben."
"Doch nur an öffentlichen Plätzen!"
"Aber nicht nach 22 Uhr."
"Ich habe versucht die Dame als Mitarbeiterin unseres Staates zu gewinnen."
"Und? Glück gehabt?"
"Kann ich Ihnen noch nicht sagen. Die Dame hatte den Mund voll, deshalb konnte ich nur undeutlich verstehen, was sie auf meine Fragen geantwortet hat."
"Ich versuche Ihre Bemühungen zu würdigen, uns mit Ihrer Überzeugungsarbeit zu helfen, aber was war mit den 150 Gulden in ihrer Hosentasche. Sie wissen ja..."
"...ich darf keine Valuta besitzen. Tja, das war das Geld der Dame für das Hotelzimmer. Wir hatten uns leider erst nach 22 Uhr ineinander verliebt und da wir diese Gefühle auch praktisch ausleben wollten, sind wir schnell nach Salzburg gefahren. Es soll ja gesund sein, in der Natur..."
"...zu bumsen? Apropos, wie war die Kapitalistin?"
"So etwas Schönes werden Sie wohl leider nie erleben dürfen. Sie wissen ja, die Partei verbietet es, Kontakt zu..."

*patsch* machte der Sandsack auf meinem Kopf und es wurde dunkel.

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Urlaubsnachlese 2003 (IV)
Das Tor zum Osten
Landebahn Schwechat - Das Tor zum Osten "Komm, Reisender, komm. Hinter mir geht die Sonne auf. Du musst dich nur trauen. Fahr durch mich hindurch. Du wirst das ultimative Glück erfahren. Bei Palinka und Paprika. Bei Hanklich und Speck. Du musst dich nur trauen, Reisender. Hier ist zwar Österreich und Fischamend, aber das Paradies erst am Anfang. Entdeck es für dich, das neue Europa. Du wirst sehen, ich verspreche dir nicht zu viel."

Ich machte die Augen zu, fuhr durch das Tor und ich war im Urlaub.

 
Beiträge in dieser Ausgabe von Hans-Detlev Buchner, Günther Melzer, Wolfgang Klein, Peter Dietrich
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