Alle Jahre wieder
Sachsenbühl
360 Tage im Jahr ist Dinkelsbühl eine ganz normale fränkische Provinzstadt. Doch am Pfingstwochenende packen die Einheimischen, die ihr Geld nicht in der Gastronomie verdienen, ihre Koffer und hauen ab: die Sachsen kommen. Und sie kommen jedes Jahr, gleich hordenweise. Gekleidet in eigenartige Gewänder, exotische Nahrungsmittel zu sich nehmend und komische Sprachen lallend. Da staunen sogar die Touristen. Tagsüber wird zur geblasenen Polka gehopst und einen auf Kultur gemacht. Die wahre Party findet aber abends außerhalb der Stadtmauern statt. Die Bekleidung wird um ein Vielfaches freizügiger und die Musik klingt gar verdächtig südländisch. Wer einmal seinen Gefallen an der Veranstaltung gefunden hat, der kommt immer wieder - und einmal muss jeder das erlebt haben.
03.06.2003 - Preis: 0,50 €

SiBild

Nr. 10 - Abonnenten: 417
Heimattag 2003 vom 6. bis 9. Juni
Cybersachsentreff
Die Cybersachsen, die sich das ganze Jahr in der Rokestuf, im SibiWeb-Chat und in den Foren der Landsmannschaft das geschriebene Wort um die Ohren hauen, treffen sich im Cafe Extrablatt gegenüber der Schranne. Als Treffzeit ist Samstag und Sonntag 15.00 Uhr ausgemacht. Wer hier nicht fündig wird, dürfte das eine oder andere Rokestuf-T-Shirt in der Stadt antreffen, oder abends im magischen Dreieck (Bandbühne-Biertresen-Toilette) des Bierzelts. Einfach ansprechen, die Leute beissen nicht :-)
Sensation perfekt!
Rumänien startet in der Formel 1
 
Angeregt durch den Brief eines Siebenbürger Sachsen (s.u.) wurde in Rumänien ein Konsortium gegründet, mit dem der Einstieg in die Formel 1 bewerkstelligt werden soll. Nach neuestem Stand der Dinge soll die Karosserie von der Renault-Tochter Dacia gebaut werden und unter die Haube ein umweltverträglicher 1CP-Motor aus dem Stall von Ionica Taranu kommen. Als Fahrer wird wohl der berühmte Radu Cucaciula verpflichtet, von dessen Probetraining das nebenstehende Foto stammt.
Sexische Anmache
Eine neue Form der Anmache macht sich breit. Ein Besucher im Dinkelsbühler Festzelt führte dem 7brg.de-Fotografen diese Anmache schon im letzten Sommer vor. Als erstes wird ein glasiger Blick aufgesetzt:"Hey Mädele..." Die Anmache selber wird ganz elegant gestikuliert. Zählen wir mal die Finger: 1... 2... 3...

"Hey, Mädele... Sechs?"
Über den Dirpel gestorkelt

Der Resonanz nach zu urteilen sind die Stilblüten die beliebteste Rubrik der SiBild. So mancher erinnert sich wohl an seine ersten Tage in Deutschland, und an die Selbstverständlichkeit mit der diese sprachlichen Anpassungen dem staunenden Bundesbürger präsentiert wurden.

Die Augsburger Theatergruppe hat diese Erfahrung auf die Spitze getrieben und ein Theaterstück daraus gebastelt. Wie Susi über den Dirpel storkelte und was die ahnungslose Andrea sonst noch beim Kaffeeklatsch erfahren hat, kann man im SibiWeb nachlesen.
Party, Party, Party
Wem Kultur zu öde ist, der braucht keinen Bogen um Dinkelsbühl zu machen. Die Kenner wissen es bereits: Dinkelsbühl zu Pfingsten heisst auch 3 Tage Party. Dafür stehen vor allem der Zeltplatz und das Bierzelt - für die, die es gediegener mögen, auch die Schranne. Stimmungsgaranten sind in diesem Jahr zwei brasilianische Bands. Die eine heißt Amazonas-Express, und wird am Freitag und am Samstag im Bierzelt einheizen. Die andere kommt vom Weißwurschtäquator und wird unter dem Namen New Sound am Sonntag das Bierzelt zum kochen bringen. Berühmt-berüchtigt sind auch die After-Partys, die danach auf dem Zeltplatz stattfinden. Partybilder vom letzten Jahr findet Ihr im unteren Bereich des Newsletters.
Der Sibi
Woran erkennt man einen Siebenbürger Sachsen?

"Einen Siebenbürger Sachsen erkennt man auch daran, dass er an Pfingsten nach Dinkelsbühl fährt um sich zu besaufen."
(Sofie)
Zitat     
Der Siebenbürger Bruno Riedl fragt sich, was wohl "Heimat" ist und kommt zu einer erstaunlichen Erkenntnis:

"Vertraute Umgebung, Freunde, Bekannte: ist das Heimat? Wohl eher, als alles andere. Am ehesten so, wie der Horizont, der auch immer mitwandert. Nur ist der Horizont ohne Trägheit. Dieses Heimatding hingegen zieht sich zäh wie Gummi, klebt zunächst noch fest. Bewegen tut es sich dann trotzdem. Da macht es sich dann wieder breit und klebt an. Jetzt weiß ich’s! Heimat ist ein Kaugummi!"
Stilblüte 
Serie: Die guten alten Zeiten (7)
Sehr geehrter
Herr Renault Dacia

von Wolfito

Ich wollte Ihnen danken!

Einfach danke sagen, dass Sie dieses rumänische Spitzenprodukt gekauft haben. Damit haben Sie ein ganzes Volk glücklich gemacht und ich bin sicher Sie werden Ihre wahre Freude daran haben. Einfach halber werde ich diese rollende Hundehütte weiter Dacia nennen und da ich davon ausgehe, dass Sie sich mit diesem Produkt völlig identifizieren, werde ich Sie mit Herrn Dacia ansprechen.

Ich wollte Ihnen einfach danke sagen, für eine erfüllte Zeit mit dem von Ihnen erhaltenen Produkt, das unser ganzes Leben verändert hat. Ich habe eine Dacia 1300 VR die ich 1990, nach 12 Jahren Wartezeit gekauft habe. Dass ich in der Zwischenzeit in die Bundesrepublik ausgewandert bin, tut meiner Freude keinen Abbruch. Das Auto benutzen ich und meine Familie, immer wenn wir dieses wunderschöne Land besuchen. Dann unternehmen wir ausgedehnte Fahrten und erfreuen uns an dem tollen Fahrgefühl mit dem rumänischen Luxusgefährt.

Ich schreibe, weil ich Ihnen einmal mitteilen wollte, daß sie wirklich gute Autos bauen und ich nie mehr ein anderes fahren werde als eine Dacia; auch wenn es auf den westeuropäischen Autobahnen ab und an zu gewaltigen Staus kommt. Stellen Sie sich vor, neulich hat mich sogar ein Moped überholt, Piaggo oder so. Bei der Geschwindigkeit die es drauf hatte, konnte ich die Marke nicht genau erkennen. Etwas Gutes hat das Schneckentempo schon: man(n) hat wenigstens Zeit zum Nachdenken und ist nicht dem allgegenwärtigen Streß ausgesetzt.

Bitte entschuldigen Sie, ehrenwerter Herr Dacia, dass ich nichtswürdiger Zwerg Ihre Zeit in Anspruch nehme und Sie belästige. Es war sehr schwer ihre Adresse in Erfahrung zu bringen und es hat Jahre gedauert, meinen inneren Schweinehund zu überwinden, um Ihnen diese Zeilen zu schreiben. Es war mir ein Bedürfnis, Euch unvergleichlichen Autobauer, Sonne der rumänischen Autoindustrie, meinen Dank auszusprechen. Einen Dank für die Güte die Sie bewiesen haben, mir und allen rumänischen Autobesitzern, einen so stolzen fahrbaren Untersatz unter den Hintern zu bauen. Wir sind ihnen ewig zu Dank verpflichtet für den gelieferten Haufen Schrott, für den wir Ihnen im Gegenzug nur ein paar Bündel schmutziger Geldscheine anbieten konnten, die nicht einmal im entferntesten einen Gegenwert für ihre unbezahlbare Ware darstellen. Das erfüllt uns mit tiefer Scham. Vor allem der moralische Wert ist unbezahlbar für unsere Familie, lieber Herr Dacia. Unsere beiden Kinder wurden in dem von Ihnen gebauten Gefährt gezeugt. Zwar mußten wir nachträglich die Hinterbank und die Hinterachse ersetzen, aber das trübte unsere Freude in keiner Weise, im Gegenteil.

Auch möchte ich mich für die bemerkenswerten handwerklichen Fähigkeiten bedanken, die ich mir durch den Kauf ihres Produkts angeeignet habe. Es gibt keinen Bestandteil, den ich noch nicht schon ausgetauscht habe und das gleich mehrmals. Ein Puzzlespiel für die ganze Familie. Da ich mich jetzt einen "alten" Automechaniker nennen kann, erblassen alle anderen Autofahrer vor Neid. Ein Bekannter, den ich zufällig in einer Renault-Werkstatt getroffen habe, hatte das Auto gar nicht wiedererkannt. Dabei war der Vorfahre dieses Autos immerhin ein Renault 12. Diese rasante Weiterentwicklung hat Rumänien konkurrenzfähig gemacht für die Formel 1. Wäre das nichts für Sie, lieber Herr Dacia, ein eigenes Rennauto zu bauen oder bei McLaren einzusteigen? Die brauchen neue Motoren, Monteure hätten sie genug. Schätzungsweise 15 Millionen Rumänen können das Auto im Schlaf auseinander bauen. Nur mit dem Zusammenbau gibt es noch Probleme: es bleiben immer Teile übrig. Trotzdem fährt es immer noch sicher über die rumänischen Autobahnen. Pardon, die einzige Autobahn in Rumänien! Mit der Karosserie und dem Fahrgestell habe ich keine Probleme, glaube ich. Mit dem Motor auch nicht mehr, da ich ihn ersetzt habe durch einen Trabantmotor, von meinem Freund Radu. Der wollte dieses ostdeutsche Pannengefährt nicht mehr, da er jeden Monat einmal tanken mußte. Ich bin ihm sehr dankbar, denn seit dem Zeitpunkt fährt mein ganzer Stolz wie von einer Turbine angetrieben. Ich habe auf dem Weg zu meinem letzten Urlaubsort "Mamaia", zwei Pferdewägen, 6 parkende LKWs, 2 Schafherden, ein Schwarm Gänse, 45 Fahrradfahrer, einen Leichenzug, 2 Hochtzeitsgesellschaften, 4 Mähdrescher, den Personenzug Bukarest-Mamaia, 1 Militärkolonne und einen kaputten BMW 318i überholt. Alle die mich überholt haben, waren sehr freundlich und winkten mir sehr lebhaft zu und brüllten mir mit roten, verzerrten Gesichtern nach. Leider konnte ich sie wegen dem höllischen Lärm und den Vibrationen nicht verstehen. Bei der Bahnschranke angekommen, klopften sie wild auf meine Motorhaube und wollten mir die Scheiben einschlagen.

Lieber Herr Dacia, groß war mein Stolz als ich von der Radarkontrolle aufgehalten wurde! Leider galt es nicht mir, sondern irgendwelchen Marathonläufern die mich überholt hatten. Als der Wagen nicht mehr anspringen wollte, hatte die ganze Polizeiwache mit angeschoben. Das sind sehr hilfsbereite Menschen, diese Polizisten. Sie gaben mir noch Geld, nur dass ich wegkomme von ihrem Kontrollposten und murmelten etwas von hohen Verlusten beim Bakschisch, durch meine Anwesenheit. Überhaupt konnte ich mich auf meinen 67 unfreiwilligen und zwei freiwilligen Stops auf die Bevölkerung verlassen. Es fand sich immer jemand der mir helfen konnte bei der Reparatur dieses technischen Wunderwerks. Gesund war es auch, man konnte die Natur genießen! Die Kartoffeln & Zwiebeln im Kofferraum begannen zu sprießen, aus der Milch wurde Joghurt, aus dem Wein Essig, aus den Eiern schlüpften die Küken. Braun gebrannt und mit hoher Motortemperatur kamen wir in Constanta an und stellen Sie sich vor, ich musste tanken. Tanken, was für ein Fremdwort für dieses stolze Gefährt, lieber Herr Dacia. Das letzte Mal hatte ich vor drei Tagen getankt, als wir in Bukarest losfuhren. Leider hatte ich kein Öl nachgeschüttet.

Als die Feuerwehr wieder wegfuhr und ich den Schaden bezahlt hatte, konnten wir endlich weiterfahren - auf dem Abschleppwagen! Der Mann fuhr wie ein Henker mit seinem westlichen Auto, stellen sie sich vor: 80 km auf der Schnellstrasse. Als wir alle kreidebleich und ohne Mageninhalt in "Vama Veche" ankamen, freuten sich alle Freunde, da sie uns als vermisst gemeldet hatten. Es war ein sehr schöner Urlaub: ich hatte das Vergnügen, dieses Wunderwerk ihrer Firma innerhalb von einer Woche zweimal auseinander zu bauen und beim Zusammenstellen kam jedes Mal ein anderer Typ heraus. Unser Gastgeber Jan sah meine Verzweiflung und stellte mir glücklicherweise seine Dacia als Ersatzteillager zur Verfügung. So konnten wir mit frischen Segeln die Heimreise antreten. Jetzt hab ich an Sie gedacht und frage Sie, ob Sie mir noch eine Dacia liefern könnten? Sie haben ja genug von den Dingern herumstehen. Ich muss das Auto nämlich zurückgeben. Ein Gebrauchtwagen täte es auch. Hauptsache Jan kann wieder zur Arbeit fahren.

In Eurer Güte, sehr geehrter Herr Dacia, möchte ich mich entschuldigen für diese Bitte, aber es ist das erste Gefährt aus Ihrem hohen Hause, das mich im Stich gelassen hat. Ich habe erst jetzt verstanden, warum sie Ihre Zweigstellen alle 50 km entfernt bauen: damit man sicher von einer zur anderen kommen kann. Das ist viel durchorganisierter als bei jeder anderen Automarke, so kann man sich dieses schöne Land auch genauer ansehen. Zeit hat man ja genug, während den unfreiwilligen Stops. Überall im Land spürt man ihre führende Hand, wohlwollend über allen schwebend, die reparieren. Jeder Mißstand wird schon im Keim erstickt und wenn er doch auftreten sollte, sofort behoben. So passiert, auf dem Rückweg, etwa 15 km nach unserer Abfahrt, als die Batterie verreckte und unser Haufen Blech keinen Strom mehr hatte. Ich weiß, sehr geehrter Herr Dacia, dafür können sie nichts, das ist die Schuld der lokalen Stadtwerke, aber trotzdem mußten wir 355 km ohne Licht fahren. Zum Glück fuhr Radu mit seinem dekadenten VW Passat vor uns her und erhellte uns den Weg in eine leuchtendere Zukunft ihrer Firma.

Als wir endlich ankamen war seine Freundin schwanger und wir mußten ins Krankenhaus, wo sie ein gesundes Mädchen zur Welt brachte. Er ist Ihnen sehr dankbar, hochwürdiger Herr Dacia, da er ohne Ihr Produkt nie die Zeit gehabt hätte, das Kind zu zeugen. Wir wollten uns alle bei Ihnen bedanken und sie zur Taufe der kleinen Nova (der letzte Schrei Ihrer Firma) einladen und würden uns sehr freuen, wenn sie die Zeit finden würden, auf einen Sprung vorbeizuschauen. Wenn Sie mit einer Ihrer Limousinen aufbrechen, könnte es sein, daß sie erst zur Taufe dieses schönen Kindes ankommen, deshalb bitten wir Sie, hoher Herr, an die Geschenke zu denken: Ersatzteile - die kann man immer gebrauchen, auch im neuen Jahrhundert!

Hochachtungsvoll Ihr Wolfgang Klein!

Weitere Geschichten aus der guten alten Zeit werden gesucht. Bitte schickt sie an sibild@rokestuf.de
Heimattag 2020


Bei den Kleinsten muss zwar noch nachgeholfen werden, doch dieses Bild von 2002 könnte sich 2020 wiederholen. Dann braucht uns um die Zukunft des Heimattages nicht bange zu sein.
"Wenn ich zum Tanze geh, tut mir mein Bein nicht mehr weh"

Bevor die siebenbürgische Tanzkapelle "Melzer-Band" ihre nunmehr vierte CD auf den Markt brachte, wurden ausgiebige soziologische Studien betrieben um die momentan begehrtesten musikalischen Stilrichtungen zu finden. So stellten die Jungs beispielsweise fest, dass 71% der Leute auf die Frage "Wä gefallt ät ech bäm Dunz?" positiv reagierten. Das Ergebnis der Studie war dann auch nicht sehr überraschend: "Tanzmusik ist auch heute noch sehr gefragt bei Jung und Alt". Mit dieser Erkenntnis schlossen sich die Musikanten der Band in Andreas Melzers Tonstudio ein und produzierten die neue CD. Hörproben und eine Liste der Lieder die ihren Weg auf die CD fanden, kann man auf der Melzer-Band-Homepage aufspüren.
Autoren dieser Ausgabe: Hans-Detlev Buchner, Günther Melzer, Wolfgang Klein, Peter Dietrich
Mitautoren gesucht: Kurze Artikel, Gedichte, Fotos, Illustrationen, Zitate, Gerüchte, Lügen, Witze, Vermutungen und Stilblüten mit siebenbürgischem Bezug bitte an sibild@rokestuf.de schicken.
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