Eurovisions-Kracher
Rumänien vor Deutschland
Während Deutschland mit Ralph Siegel krampfhaft versucht an alte Grand-Prix-Zeiten anzuknüpfen, begibt sich die osteuropäische Konkurrenz mit frischem Wind auf die Überholspur. Die rumänische Sängerin Nicola trällerte sich mit dem Lied "Don't break my heart" auf Platz 10 - 2 Plätze vor die Deusche Lou. Neben den üblichen Freundschaftspunkten aus Osteuropa gab es auch Schützenhilfe von ausgewanderten Rumänen: aus Deutschland gab es 4, aus Frankreich ebenfalls 4 und aus Spanien gab es sogar 10 Punkte. Bilder von der rumänischen Antwort auf Britney Spears und t.A.T.u. findet Ihr im unteren Bereich des Newsletters.
27. Mai 2003 - Nr. 9

SiBild

Abonnenten: 449
Achtung! SiBild ab nächster Ausgabe kostenpflichtig
Ohne Moos nix los!
Liebe Freunde, ab der nächsten Ausgabe kostet die SiBild 50 Cent. Da wir keine Zeit mit der Verwaltung der Abonnenten verschwenden wollen, haben wir uns für die Umstellung folgende einfache Vorgehensweise überlegt: Wir sammeln keine Adressdaten, stattdessen erhaltet Ihr jedes Jahr Ende Dezember per E-Mail eine Rechnung über alle SiBild-Ausgaben des letzten Jahres (ca. 20 Stück pro Jahr).
Wenn Ihr dann der Meinung seid, dass diese Ausgaben der SiBild ihr Geld wert waren, bezahlt einfach die Rechnung mit Angabe Eurer E-Mail-Adresse. Wenn Euch die SiBild-Ausgaben aber kein Geld wert waren, müsst Ihr die Rechnung auch nicht bezahlen, wir löschen dann einfach Eure E-Mail-Adresse aus dem Verteiler und Ihr erhaltet dann in Zukunft keine weitere SiBild mehr. Wem die SiBild auch jetzt schon keine 50 Cent wert ist, der kann sie unten abbestellen. Die Erstellung der SiBild, die Recherchen und das Schreiben der Artikel nehmen inzwischen sehr viel Zeit in Anspruch. Da wir die SiBild werbefrei halten möchten und auch in Zukunft regelmäßig gleichbleibende Qualität bieten wollen, haben wir uns für diesen Weg entschieden. Wir hoffen auf Euer Verständnis.
Wir sind froh den Karikaturisten Peter Dietrich im SiBild-Team begrüßen zu dürfen. Comics, Zeichnungen und Karikaturen wird er ab dieser Ausgabe regelmäßig in der SiBild veröffentlichen. Er wurde 1960 in Hermannstadt geboren, siedelte 1990 nach Deutschland um und lebt heute in Düren. Früh schon beschäftige er sich hobbymäßig mit Fotografie, Zeichnen und Holzbrennbildern. In der Kunstakademie Düren belegte er mehrere Kurse (Zeichnen, Malerei) und in einem Fernstudium vertiefte er sein Wissen. "Gegenwärtig habe ich Spaß an humorvollen Karikaturen und Comic-Zeichnungen. Hiermit glaube ich meine ideale Ausdrucksweise gefunden zu haben. Ich werde mich bemühen auch siebenbürgische Charakteristika in meine Comics und Karikaturen einzubringen."
 
Guten Morgen, Gundelsheim
lang hast du geschlafen -
und der Nebel liess sich nieder
in den engen Gassen.
Doch dann kam der böse Mann
mit dem roten Mantel,
und sein Spruch wirkte auf dich
wie eine Tarantel.
Wirst du klüger als bisher,
weisst du nun wie man es schafft,
dem Museum Sinn zu geben?
Nein? Dann Gute Nacht!
Ein Sachs, wie er im Buche steht
Er ist stockkonservativ und ein Sturkopf der seinesgleichen sucht. Er ist von Gott berufen, der Welt die Zivilisation zu bringen. Er erweist guten Bekannten gerne einen Gefallen und ist was besseres als alle anderen. In seiner Ahnentafel, in der sich sogar englische Könige befinden, deutet zwar nichts darauf hin, aber die Frage muss doch gestellt werden: Ist George Walker Bush, seines Zeichens mächtigster Mann unseres Planeten, ein Siebenbürger Sachse?
Die Schöne und das Doping
Sie läuft und läuft, und nach 5000 m läuft Gabriela Szabo meistens als erste über die Ziellinie. Doch neben ihren sportlichen Erfolgen(Europarekorde, Olympiasiege und Weltmeisterschaften auf den Strecken von 1500 m bis 5000 m) sorgt sie des öfteren auch außerhalb der Tartanbahn für Schlagzeilen. Im Winter bekam sie eine Geldstrafe aufgebrummt, weil sie über ihre Konkurrentin Violeta Beclea-Szekely behauptete: "Die ist häßlich und wird deswegen nicht zu den Meetings eingeladen." Jetzt fand der französische Zoll in Szabos Wagen ein Blutverdünnungsmittel, mit dem man u.a. die Einnahme des Dopingmittels Epo kaschieren kann. Doch nein, die Szabo dopt nicht, aber ihre bis dato international unbekannte Trainingskollegin Mihaela Botezan hat zu wenige rote Blutkörperchen - und flutsch gabs vom ahnungslosen Arzt ein Mittelchen von der Dopingliste des IOC.
Die "häßliche" Violeta Beclea-Szekely und die Schöne mit der scharfen Zunge, Gabriela Szabo
Der Sibi
Woran erkennt man einen Siebenbürger Sachsen?

"Wir Sachsen sind halt zäh, ein guter Schlag"

(Helene Tietz, 94, älteste Buchautorin Deutschlands, geboren in Draas)
Zitat     
"Die beiden Rumänen-Pärchen wohnten im gleichen Hotel und am nächsten Tag haben wir uns ausgiebig mit ihnen unterhalten. Wie fast alle hier sprachen sie englisch und konnten auch etwas deutsch, aber nur: - schneller, schneller - gibs mir - machs mir - das hatten sie in einem deutschen Pornofilm aufgeschnappt." (Quelle)
Stilblüte 
Einheimische:
Du, ich weiss nicht, ob ich dich heute besuchen kann.

Sibi:
No hey, es wäre stramm wenn du kommen würdest, mehr wann.
Serie
Die guten alten Zeiten (VI)

Arbeit, oder was? von Wolfito

Zu Nicus (von Beruf Diktatore Rumäniens) Zeiten hatte ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis zur Arbeit. Sagen wir so: es wurde mir vorgemacht wie ich als frischer Gymnasiast arbeiten sollte. Mein Vater Jürgen, ging um acht ins Institut für Wasserwirtschaft und zupfte um zehn schon wieder im heimischen Garten das Unkraut aus dem Boden. Dann musste er um 16 Uhr noch einmal den weiten und anstrengenden Weg ins Büro machen, um die Stechkarte zu lochen. Das war der Beweis dass er auch tatsächlich gearbeitet hatte. Dafür gab es dann am Ende des Monats viele wertlose Scheine: Lei. Damals gab es fünf Ingenieure auf einem Posten die sich irgendwie beschäftigen mussten um sich nicht gegenseitig auf die Zehen zu treten. Tolle Sache! Arbeitslosigkeit zu dem Zeitpunkt 0,00 %. Ein Traum für jeden Bundeskanzler. Da ich mit dem Gedanken spielte in die weite, freie Welt auszuwandern, suchte ich mir einen Job um die Wartezeit zu überbrücken. Natürlich auch um mit meinem Bruttosozialprodukt die Familie zu entlasten. Das Einzige was ich fand, war ein Job als Buchhalter in einem Hotel auf der "Hohen Rinne" ein Luftkurort in den nahen Bergen. So schaffte ich beim einzigen staatlichen Reiseunternehmen dieser stolzen sozialistischen Republik und es war gut. Sehr gut!

Ich musste nun den ganzen Tag allen Schreibkram erledigen der so anfällt: die Umsätze zur Bank bringen, die Bonbücher kontrollieren, manchmal Kartoffeln schälen oder Gurken einlegen, telefonische Bestellungen für unsere Waren aufgeben, "Springer" spielen wenn der Koch sich betrunken hatte, bedienen wenn kein Personal anwesend war, die Gäste animieren oder reanimieren und vieles andere. Kurz gesagt: ich war Mädchen für alles. Da ich jung und fit war, hatte ich alles schnell erledigt und es blieb oft Zeit für wichtigere Sachen, wie Skifahren, Schachspielen, die Animation der weiblichen Kurgäste zu übernehmen und vor allem dem Chef aus dem Weg zu gehen.

In der Zeit hatte sich die Firma Neckermann entschlossen, auch in unser Hotel Touristen aus dem fernen Deutschland zu schicken. Die mußte ich vom Flughafen abholen, anmelden, ihnen die Füße küssen und die Westmark aus der Tasche ziehen. Zum Wohle des Volkes, versteht sich. Neckermann schickte natürlich einen Repräsentanten zu uns der das Ganze beaufsichtigen sollte. Das war Peter. Ein komischer Typ! Der tat immer sehr geschäftig. Er rannte den ganzen Tag herum, hatte immer viel Stress und nie Zeit sich mit uns zu unterhalten, geschweige "mal einen drauf zu machen." Der Peter der war überall, hatte immer ein offenes Ohr für seine Touristen und konnte einfach alles. Peter war eigentlich ein ganz netter Kerl, aber er nervte einen mit seinem Organisationstalent und seiner Rastlosigkeit. Dieser Mensch war der Einzige den ich kannte, der ohne Schlaf auskam. Wenn jemand nachts im Schlaf einen Furz ließ, Peter war da und öffnete das Fenster. Irgendwie brachte er uns aus dem Trott. Das ganze Hotelpersonal hasste ihn dafür!

Wenn ich mir morgens meinen Tagesplan aufstellte, Tennis spielen, Schi oder Schlitten fahren wollte, wetzte er schon durch die Gänge des Hotels mit Listen in der Hand und verfluchte uns mit lauter Stimme, wir alle wären unfähig den glorreichen Kommunismus aufzubauen und die Touris zu befriedigen. Da hatte er aber Unrecht. Bis spät in die Morgenstunden gab ich mir alle Mühe die weiblichen Touristinnen zu befriedigen. Vor allem in der Disco und anschließend im Zimmer konnte ich gewisse Erfolge buchen. Natürlich war es schwer für mich am nächsten morgen pünktlich um acht im Büro zu erscheinen. Ist doch verständlich bei dem Pensum. Also schloss ich mit meiner Lieblingsbedienung Alina einen Pakt. Wenn sie merkte, dass ich "Nachtschicht" hatte, nahm sie meine Aktentasche, einen Pulli und meinen Taschenrechner aus dem Spind und stellte das auf meinem Bürotisch ab. Dann schrieb sie einen Zettel: "Komme gleich" und legte ihn auf den Schreibtisch. So war ich offiziell am arbeiten und fehlte bloß ein paar Minuten. Irgendwann um die Mittagszeit kam ich kurz vorbei, schüttelte ein paar Hände und wenn ich wieder müde wurde ging ich zurück in mein Bettchen und Alina entfernte um 16 Uhr meine persönlichen Sachen aus dem Büro.

Nach ein paar Monaten war mir das dann doch etwas langweilig und ich beschloß Peter zu helfen, damit er nicht völlig durchdrehte. Leider war er sehr unbeliebt geworden, da er den Fehler gemacht hatte uns seinen westlichen Arbeitsrhythmus aufzudrängen. Schließlich war unser Gehalt gesichert, egal was wir geleistet hatten. Seiner nicht! Durch seinen Leistungsdruck ermutigte er nur unsere Vorgesetzten uns noch mehr Arbeit aufzubürden. Das war unerträglich. Peter betrachtete uns wie Kranke, die nicht fähig waren eine Aufgabe zu erfüllen und im täglichen Arbeitsleben eine Verantwortung zu übernehmen.

Dann kam meine Ausreise ins Gelobte Land und ich lernte was es heißt hart zu arbeiten. Um fünf aufzustehen, schnell ein Brot im Stau herunterschlingen und täglich acht Stunden lächelnd ja zu sagen. Anschließend ins Hotelrestaurant und noch mal acht Stunden Bier zapfen und immer noch lächelnd ja zu sagen. Auf einmal entwickelte ich eine Energie die ich bei mir nicht kannte: ich kam mit vier Stunden Schlaf aus, war immer höflich und erfüllte alle Wünsche. Ich hatte keine Zeit mehr für mein Privatleben, hetzte von Termin zu Termin und freute mich, wenn ich bloß eine 90 Stundenwoche hatte. Ich überlegte schon, wie ich effizienter arbeiten konnte um mich nicht lächerlich zu machen.

Jede Minute war kostbar geworden!

Ich sah Peter erst nach ein paar Jahren wieder. Wir hatten ab und zu telefoniert, aber ich hatte nie Zeit, ihn persönlich zu treffen, obwohl er öfter geschäftlich in Frankfurt verweilte. Als wir uns einmal trafen fragte er mich was los sei mit mir, warum ich dauernd auf die Uhr blickte und wie ein gehetzter Wolf hechelte. Mit mir? Was war los mit ihm? Ich musste arbeiten um die hohen Erwartungen zu erfüllen die mein Boss und die Gesellschaft in mich gesetzt hatten, kurz meine Pflicht tun. "Jetzt bist du ein Unternehmer und jetzt mußt du! Du kannst nicht mehr aufhören zu arbeiten. Wolfi du bist ein Malocher geworden, du machst dich kaputt", meinte er. Von Herzinfarkten und anderen schrecklichen Krankheiten war die Rede, daß ich im Sarg heraus getragen werde und mir ins Grab kein Geld mitnehmen könnte. "Deine Familie braucht dich mehr als die Gesellschaft" und "...schaffen für das Finanzamt" waren noch die harmlosesten Vorwürfe die er mir machte. Dabei hatte ich es von ihm gelernt. Mein Weltbild wankte, fiel aber nicht.

Ich habe ihn nach fünf Jahren zufällig im Bukarester Dorint Hotel wieder getroffen. Er arbeitete für eine schweizerische Reisegesellschaft und ich spürte, dass ihm die Arbeit keinen Spaß machte. Das war der Moment in dem ich seinen unterschwelligen Haß spürte, den er mir gegenüber empfand. Er war gescheitert und arbeitete nur noch unter Zwang, total lustlos, wie eine Maschine. Er haßte mich für meine Energie und für meine Ideale die ihm abhanden gekommen waren. Wenn er sie überhaupt jemals gehabt hatte.

Er kam mir vor wie ein Schwächling der uns immer etwas vorgelebt hatte, ohne daran zu glauben. Ich hatte meinen Wert in der Gesellschaft erkannt und er entfernte sich von dieser. Warum er denn nach Rumänien gezogen sei? fragte ich ihn. Weil er das Leben suchte das wir vor zwanzig Jahren geführt hatten, war seine Antwort. Einfach ein Loch in die Welt zu leben, ohne Verantwortung zu übernehmen und sich nur den schönen Seiten des Lebens zu widmen. Da merkte ich, dass sich die Rollen vertauscht hatten: ich hatte den Wert der Arbeit erkannt und die Herausforderung angenommen und er hatte das Gleiche verloren und aufgegeben.

Weitere Geschichten aus der guten alten Zeit werden gesucht. Bitte schickt sie an sibild@rokestuf.de
Pessimismus chronicus
Virus in
Rumänien

Das in Deutschland sehr verbreitete Virus "Pessimismus chronicus" wurde jetzt auch in Rumänien entdeckt. Während in Deutschland die Herkunft dieses Virus unbekannt ist, scheint die Quelle desselben in Rumänien ausgemacht zu sein: die schlechten Lebensbedingungen, die vor Ort herrschen, sind Schuld daran. Umso mehr verwundert es aber, dass die Krankheit Verbreitung fand, da die Rumänen als immun dagegen galten.
Plattner segelt davon
Der reiche Mann 
und das Meer

Der SAP-Gründer Hasso Plattner, Sohn des Hermannstädter Augenarztes Dr. Horst Plattner, gab am 9. Mai den SAP-Vorstandsvorsitz ab und wechselt in den Aufsichtsrat. Die Bilanzpressekonferenz Ende Januar hatte er wegen einer Segelregatta zwischen Südafrika und Brasilien verpasst, obwohl sie eigens seinetwegen um eine Woche verlegt worden war. Im Herbst war ein Auftritt Plattners auf der SAP-Hausmesse "Sapphire" erst nachträglich organisiert worden, eigentlich hatte Plattner einen Segeltörn geplant. Er war der letzte der legendären Gründerfiguren des Software-Konzerns, der noch aktiv an der Unternehmensführung beteiligt war.
Autoren dieser Ausgabe: Hans-Detlev Buchner, Günther Melzer, Wolfgang Klein, Peter Dietrich
Mitautoren gesucht: Kurze Artikel, Gedichte, Fotos, Illustrationen, Zitate, Gerüchte, Lügen, Witze, Vermutungen und Stilblüten mit siebenbürgischem Bezug bitte an sibild@rokestuf.de schicken.
Haftungsauschluss: Für die Inhalte der von uns verlinkten Seiten übernehmen wir keine Haftung.
Hinweis: Beschwerden, Mahnungen, Reklamationen, Ergänzungen, Leserbriefe, Proteste, Fragen, Liebesbriefe, Verleumdungen, Morddrohungen, sachdienliche Hinweise bitte an sibild@rokestuf.de
Archiv: SiBild Nummer: X | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |     SiBild-Spezial Nummer: 1
Dieser Newsletter wird herausgegeben von Hans-Detlev Buchner und Günther Melzer » www.rokestuf.de ^^^